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Preisträger
aus dem Bereich Toxikologie 2010
Prof.
Dr. Holger Barth aus Ulm erhält den GT-Toxicology-Preis 2010
Prof.
Dr. Holger Barth vom Institut für Pharmakologie und Toxikologie der
Universität Ulm wurde während der Frühjahrstagung der Deutschen
Gesellschaft für Pharmakologie und Toxikologie in Mainz mit dem
GT-Toxicology-Forschungspreis 2010 ausgezeichnet. Dieser Preis wird
von der Deutschen Gesellschaft für Toxikologie (GT), der Zeitschrift
Toxicology und dem Elsevier-Verlag gestiftet.
Holger
Barth erhielt diesen Preis für seine neuen Erkenntnisse über die
Wirkungsweise bakterieller Toxine. Diese extrem toxischen Proteine
lösen eine Vielzahl schwerster Krankheiten beim Menschen, wie
Cholera, Diphtherie, Tetanus oder Botulismus, aus und sind so
wirksam, weil sie in das Innere menschlicher Zellen aufgenommen
werden. Von der Ulmer Arbeitsgruppe wurde nun erstmals gezeigt, dass
bestimmte zelleigene Chaperone (Hsp90) und
Proteinfaltungshelferenzyme (Cyclophilin A) verschiedene clostridiale
Toxine in das Zellinnere hineinziehen. Die Forschungsergebnisse
erweitern nicht nur das Verständnis, wie diese bedeutenden
Pathogenitätsfaktoren auf molekularer und zellulärer Ebene wirken,
sondern ermöglichen auch neue medizinische Anwendungen. Die
Arbeitsgruppe konnte zeigen, dass die pharmakologische Hemmung der
Chaperone die Toxinaufnahme in Zellen hemmt, was einen neuen
Therapieansatz für Krankheiten darstellen könnte, die durch die
Toxine verursacht werden.
Andererseits
haben die Ulmer Forscher herausgefunden, dass bestimmte strukturelle
Anteile der Toxine sehr erfolgreich für den Transport
pharmakologisch wirksamer Moleküle in menschliche Zellen eingesetzt
werden können. Diese gezielt konstruierten und biotechnologisch
hergestellten Transportsysteme auf der Basis genetisch veränderter
Bakterientoxine werden in der experimentellen Pharmakologie und
Zellbiologie eingesetzt und stellen attraktive Moleküle zur
Entwicklung zukünftiger Medikamente dar.
Lebenslauf Holger Barth
Dr. Kathrin
Gaßmann aus Düsseldorf wird mit dem „Young Scientist Toxicology
Award“ 2010 ausgezeichnet
Dr. Kathrin
Gaßmann ist im Rahmen der 51. DGPT-Frühjahrstagung mit dem „Young
Scientist Toxicology Award“ gestiftet von der Firma Merck KGaA für
das Jahr 2010 ausgezeichnet worden. Frau Dr. Gaßmann erhielt den mit
2500 € dotierten Preis für ihre neuen Erkenntnisse zur
rezeptorvermittelten Entwicklungsneurotoxizität, die im Rahmen ihrer
Promotion in der Arbeitsgruppe von Frau Professor Dr. Ellen Fritsche
am Institut für umweltmedizinische Forschung an der der
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf gGmbH erhalten wurden.
Die Dissertation mit dem Titel „Nahrungsmittelbestandteile als
Modulatoren der neuralen Entwicklung: Rolle des AhR“ befasst
sich (i) mit der Entwicklung einer anwendungsbezogenen Testsstrategie
für Entwicklungsneurotoxizität, welche auf normalen humanen
neuralen Progenitorzellen (hNPC) beruht, und untersucht (ii) die
Effekte verschiedener für den Menschen potentiell
entwicklungsneurotoxischer Substanzen sowie deren zu Grunde liegende
Wirkmechanismen in hNPC. Des Weiteren bezog Frau Dr. Gaßmann in ihre
Arbeiten den Gedanken der Speziesunterschiede mit ein.
Lebenslauf Kathrin Gaßmann
Dr.
Andriy Khobta aus Mainz erhält den Sanofi-Aventis-Preis für den
besten Kurzvortrag im Bereich Toxikologie
Dr.
Andriy Khobta aus der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Bernd Epe vom
Institut für Pharmazie und Biochemie der Johannes Gutenberg
Universität Mainz wurde auf der 51. Jahrestagung der DGPT mit dem
Sanofi-Aventis-Preis für den besten Kurzvortrag im Bereich
Toxikologie ausgezeichnet.
In
dieser Arbeitsgruppe wird die Reparatur von oxidativen
DNA-Basenmodifikationen, wie 7,8-Dihydro-8-oxoguanine (8-oxoG), sowie
deren mutagene Wirkungen auf kultivierte Zellen und Mäuse
untersucht. Werden solche DNA-Schäden in proliferierenden Zellen
nicht innerhalb von zwei Replikationszyklen repariert, entstehen
Mutationen, die zu Krebs führen können. Die Konsequenzen von 8-oxoG
für nicht-teilende Zellen sind hingegen unbekannt. Aktuelle
Forschungsergebnisse in unserem Labor zeigen, dass 8-oxoG die
Gentranskription erheblich beeinträchtigen kann. In der gewürdigten
Arbeit konnte mit Hilfe eines Plasmid-basierten Reportergens gezeigt
werden, dass eine kleine Anzahl oxidierter Guanine zu einer
dauerhaften transkriptionellen Stillegung führt. Die Daten zeigen
weiterhin, dass dieser Effekt mit einer lokalen Veränderung der
Chromatinstruktur assoziiert ist und vermutlich durch eine
Interaktion der Gentranskription mit der DNA-Reparatur entsteht.
Dieser neuartige Aspekt der Toxizität von oxidatativen DNA-Schäden
könnte besonders für ausdifferenzierte (sich nicht-teilende) Zellen
relevant sein.
Lebenslauf Andriy Khobta
Nadine
Richter aus München wird der Posterpreis 2010 für das
beste Poster aus dem Bereich Toxikologie verliehen.
Frau
Nadine Richter aus der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Johannes Filser
vom Institut für Toxikologie des Helmholtz- Zentrums München erhielt
auf der Frühjahrstagung der DGPT in Mainz den Posterpreis der DGPT für das beste Poster aus dem Bereich Toxikologie. Dabei wurde
eine gemeinsame Arbeit der Autoren N. Richter, D. Klein, A. Stampfl,
Q. Li und J.G. Filser vom Helmholtz- Zentrum München (Institut für
Toxikologie) und der Technischen Universität München (Institut für
Toxikologie und Umwelthygiene) ausgezeichnet.
Die
gewürdigte Arbeit mit dem Titel „Eine neuartige Methode zur
Bestimmung von Glutathion im Lungenepithel mittels
Fluoreszenzmikroskopie, beispielhaft dargestellt an der Maus“
stellt eine neue Methode dar, die es ermöglicht, in Gefrierschnitten
der inflatierten Lunge den Glutathiongehalt mittels
Fluoreszenzmikroskopie auf zellulärer Ebene zu quantifizieren.
Hintergrund
dieser Arbeit ist, dass oxidativer Stress (z.B. durch
Chemikalienexposition) durch Beeinflussung der intrazellulären
Glutathionhomöostase Zelltoxizität hervorrufen kann. Bisher
existierte kein zufriedenstellendes Verfahren zur quantitativen
Glutathionbestimmung im Epithel verschiedener Lungenareale. Am
Mausmodell wurde jetzt eine Methode zur Bestimmung des
Glutathiongehalts entwickelt, die auf der spezifischen,
Glutathion-S-transferase-vermittelten in-situ-Konjugation von
Glutathion mit Monochlorbiman während der Lungeninflation beruht.
Dr.
Panagiotis Papatheodorou aus Freiburg erhält den Sanofi-Aventis-Preis 2010 der DGPT für das
beste Poster aus dem Bereich Toxikologie.
Dr.
Panagiotis Papatheodorou aus der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Dr.
Klaus Aktories vom Institut für Experimentelle und Klinische
Pharmakologie und Toxikologie der Albert-Ludwigs-Universität
Freiburg wird mit dem Sanofi-Aventis-Preis
2010 für das Poster
„Clathrin-abhängige Aufnahme der clostridialen glucosylierenden
Toxine“ (C. Zamboglou, S. Genisyuerek, G. Guttenberg, S. Hornei, K.
Aktories und P. Papatheodorou) ausgezeichnet.
Die
Autoren untersuchten die zellulären Aufnahmemechanismen von
clostridialen glucosylierenden Toxinen, zu denen
Clostridium difficile Toxin A und Toxin B gehören, welche die
Krankheiten Clostridium difficile-assoziierte Diarrhö (CDAD)
und pseudomembranöser Kolitis beim Menschen auslösen. In dem
Posterbeitrag stellen die Autoren grundlegende Erkenntnisse zur
Aufnahme dieser Toxine vor und zeigen, dass die Toxine im
Wesentlichen den Clathrin-abhängigen Endozytoseweg als
Eintrittspforte in die Zelle nutzen. Die Beweisführung gelang durch
pharmakologische Inhibitoren, die selektiv die Clathrin-abhängige
Aufnahme inhibieren, siRNA-vermitteltem knockdown von Clathrin
und Expression einer dominant-negativen Form von Eps15, einem
essentiellem Adaptorprotein der Clathrin-vermittelten Endozytose.
Zytopathische Effekte, die durch die Toxine an kultivierten Zellen
ausgelöst werden, konnten unter Einsatz der erwähnten Methoden
erheblich reduziert werden. Eine solche Hemmung konnte nicht bei
Inhibierung der Caveolin-abhängigen Endozytose mittels Expression
einer dominant-negativen Form von Caveolin-1 oder der Zerstörung von
lipid rafts, speziellen Arealen der Plasmamembran, die für
die Caveolin-vermittelten Aufnahme notwendig sind, beobachtet werden.
Das
Verständnis der Aufnahme bakterieller Toxine ist von Bedeutung für
die Entwicklung neuer Therapieansätze gegen Erkrankungen, die durch
solche Toxine verursacht werden, da die selektive Hemmung der
Toxinaufnahme eine neue Möglichkeit der therapeutischen Intervention
darstellen kann.
Lebenslauf Panagiotis Papatheodorou
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