Minisymposium 2007: Toxkologie in der Umweltmedizin PDF Drucken Email

Das im Rahmen der DGPT-Jahrestagung traditionell stattfindende Minisymposium der GT wurde in diesem Jahr vom Arbeitskreis Toxikologie in der Umweltmedizin (Vorsitz: Priv.-Doz. Dr. rer. nat. Peter Roos, IfADo, Dortmund) organisiert und stand unter der Überschrift ‚Perfluorierte Tenside (PFT) – Toxikologie, Epidemiologie und Regulation’. Noch vor wenigen Monaten waren es nur wenige Spezialisten, die auf Anhieb erklären konnten, was sich hinter dem Kürzel ‚PFT’ verbirgt. Das änderte sich schlagartig als diese Substanzgruppe in die Schlagzeilen der Presse geriet, fanden sich doch PFT-Verbindungen in erhöhter Konzentration im Trinkwasser im sauerländischen Möhneseegebiet. Hier waren ad hoc Belastungsstudien und toxikologische Expertise gefragt. Im Rahmen des Minisymposiums wurde das brisante Thema aufgegriffen mit dem Ziel, die PFT-Problematik sowie den aktuellen Wissensstand zu verschiedenen Aspekten von Experten konzentriert darstellen zu lassen. Insbesondere konnten brandaktuelle Daten zur PFT-Belastung der Bevölkerung vorgestellt und nun im Kontext toxikologischer Fakten beleuchtet werden. Herr PD Dr. Dieter Wölfle vom Bundesinstitut für Risikobewertung gab zunächst einen Überblick über die Substanzklasse und zu möglichen toxischen Wirkungen. Die lipophilen PFTs sind abbauresistent und chemisch wenig reaktiv. Hieraus resultieren Bioakkumulation und lange Eliminationshalbwertszeiten bei Säugetieren. Gleichzeitig sind die Substanzen aber auch nicht gentoxisch. Bei Ratten findet sich eine tumorpromovierende Wirkung, allerdings erst bei relativ hohen Dosierungen (> 1,4mg/kg Körgewicht/Tag). Von Herrn Professor Angerer (Uni Erlangen) wurden verschiedene epidemiologische Studien zur PFT-Belastung der Allgemeinbevölkerung vorgestellt. Durch ihre inzwischen ubiquitäre Verbreitung lassen sich PFTs durchweg im Blut von Personen nachweisen. Für die beiden ‚Hauptsubstanzen’ PFOS und PFOA liegen die Blutspiegel bei ca. 16µg/L bzw. 6µg/L, wobei keine Abhängigkeit vom Alter der Probanden erkennbar ist. Offenbar sind aber Frauen weniger belastet als Männer. Ein wichtiger Befund ist die Plazentagängigkeit von PFTs. Aufbauend auf den Hintergrunddaten, konnte Herr Prof. Wilhelm (Uni Bochum) seine gerade vom Ministerium zur Veröffentlichung freigegebenen Daten zu den durch ‚kontaminiertes’ Trinkwasser PFT-belasteten Personen im Raum Arnsberg vorstellen. Im Vergleich zu einer Kontrollgruppe zeigte sich bei Kindern, Frauen und Männern der belasteten Population mit im Mittel ca. 25 µg/L ein 4-8-fach erhöhter PFOA-Blutspiegel. Die Werte für PFOS lagen unverändert auf dem Hintergrundniveau der Allgemeinbevölkerung. Durch das nun umgekehrte PFOS/PFOA-Verhältnis (<1) wurde der Zusammenhang zwischen Human- und Trinkwasserbelastung deutlich. Dies konnte durch die klare Korrelation zwischen Trinkwasserkonsum und PFOA-Gehalt im Blutplasma bei der betroffenen Bevölkerung untermauert werden. Abschließend ging Herr Prof. Dieter (Umweltbundesamt) auf Fragen der Regulation von PFT im Trinkwasser vor dem Hintergrund toxikologischer Befunde ein. PFTs sind primär nicht gentoxisch, sind aber als schwach sekundär gentoxisch einzustufen. Da die Trinkwasserverordnung keine Grenzwerte für PFOS und PFOA enthält, greift hier eine Empfehlung des Umweltbundesamtes, die einen ‚in jeder Hinsicht gesundheitlich sicheren Orientierungswert’ von 0.10 µg/L vorsieht. Für befristete Grenzwertüberschreitungen sind zeitlich abgestuft höhere Konzentrationen ohne Maßnahmekonsequenz zulässig.Wie sind die inneren Belastungen und Expositionen mit PFT humantoxikologisch zu bewerten? Hierzu zitieren wir abschließend die von Prof. Wilhelm formulierte Stellungnahme, die sich im Bericht über seine hier vorgestellte Expositionsstudie an das Ministerium für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf, findet: „Die zurzeit vorliegenden weltweiten Human-Untersuchungen geben keinen Anhaltspunkt, dass die bei der Bevölkerung in Arnsberg festgestellten PFOA-Gehalte im Plasma gesundheitlich bedenklich wären.“ Direkt nach dem Minisymposium wurde die Stellungnahme mit folgendem Zusatz versehen: „Die in diesem Bericht vorgenommene gesundheitliche Einschätzung der perfluorierten Verbindungen wird auch von den Experten eines PFT-Symposiums im Rahmen der Frühjahrstagung der Deutschen Gesellschaft für experimentelle und klinische Pharmakologie und Toxikologie (DGPT) am 15.03.07 in Mainz geteilt.“  (http://www.munlv.nrw.de/ministerium/presse/presse_extra/pdf/arnsberg.pdf)Exzellente Präsentationen und ein diskussionsfreudiges Auditorium haben entscheidend zum Gelingen des Symposiums beigetragen. 

PD Dr. Peter H. Roos

Sprecher des Arbeitskreises Toxikologie in der Umweltmedizin

 
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