Stellungnahme
der Sektion Toxikologie der Deutschen Gesellschaft für experimentelleund klinische Pharmakologie und Toxikologie (DGPT)
zum Vorkommen von Acrylamid in Lebensmitteln
In
gebackenen, stärkereichen Lebensmitteln wie Kartoffelchips,Backwaren,
Pommes frites und Frühstückscerealien wurde Acrylamid gefunden. Da
Acrylamid im Tierexperiment in verschiedenen Organen Krebs erzeugen
konnte, ergibt sich die Frage, ob für den Verbraucher ein Krebsrisiko
durch Acrylamid in Lebensmitteln vorliegt. Personen, die über Jahre
erhöhten Konzentrationen von Acrylamid am Arbeitsplatz ausgesetzt waren,
weisen keine erhöhtenRaten an Krebserkrankungen auf. Die
krebserzeugende Wirkung imTierexperiment konnte erst bei hohen
Dosierungen von einigen Milligramm(mg) pro Kilogramm Körpergewicht
erzeugt werden. Eine theoretische Vorhersage von Krebserkrankungen
aufgrund von Hochrechnungen ist sachlich irreführend und wird nicht
durch die Datenlage aus den tierexperimentellen Befunden und aus
Arbeitsplatz beobachtungen gestützt. Die schwedische
Lebensmittelbehörde teilt mit, dass Acrylamid z.B. in Kartoffelchips
(bis zu 0,98 mg pro Kilogramm), Pommesfrites (bis zu 1,1 mg pro
Kilogramm) und Spezialknäckebrot (bis zu 1,87 mg pro Kilogramm) gefunden
wurde. In einigen Fisch- und Fleischwaren war Acrylamid in sehr viel
geringeren Mengen von 0,03 bis 0,06 mg pro Kilogramm enthalten. In Mehl,
gekochten Kartoffeln, Reis oder Nudeln war Acrylamid nicht
nachzuweisen. Offenbar ist Acrylamid insbesondere in hoch erhitzten,
stark gebackenen, stärkehaltigen Produkten vorhanden. Die Ursachen
dafür müssen erkannt und beseitigt werden. Dem Verbraucher
wird vorsorglich empfohlen, beim Backen stärkereicher
Lebensmittel außerordentlich starkes Erhitzen zu vermeiden.
Das Leitungsgremium der Sektion Toxikologie
Stellungnahme der Sektion Toxikologie der DGPT (April 2002)
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